Das Jahr begann mit einer Reform der Verordnung über die Verwaltungsarbeit und mit der Umsetzung der Vereinbarungen zur Umwandlung der Nationalen Schule für Politik- und Sozialwissenschaften in Fakultät.
An dieser, wie auch an anderen Fakultäten, wurden berufsbildende Kurzstudiengänge eingeführt, um Fachkräfte in Bereichen wie Kommunalverwaltung, Tourismus und Auβenhandelspolitik auszubilden. Jedoch fanden diese Kurzstudiengänge keinen großen Zuspruch. An der Fakultät für Architektur wurden die Masterstudiengänge Städtebau und Restaurierung von Bauwerken eingerichtet. An der Fakultät für Zahnmedizin wurden die Fachgebiete Parodontologie und Kieferorthopädie eingerichtet.
Die Einrichtungen der Nationalen Voruniversitären Schule wurden ab dem 3. Februar, zusätzlich zu den Nummern, mit denen sie gekennzeichnet waren, mit den Namen von bekannten Universitätsangehörigen bezeichnet: 1. Gabino Barreda, 2. Erasmo Castellanos Quinto, 3. Justo Sierra, 4. Vidal Castañeda y Nájera, 5. José Vasconcelos, 6. Antonio Caso, 7. Ezequiel A. Chávez, 8. Miguel E. Schultz und 9. Pedro de Alba. In den Schulen wurden die Büsten der jeweiligen Persönlichkeit aufgestellt.
Seit dem Vorjahr hatten sich die Schüler, die nicht an der Nationalen Voruniversitären Schule aufgenommen worden waren, in der so genannten Preparatoria Popular (Schule der Sekundarstufe II des Volkes) organisiert und besetzten die unbenutzten Unterrichtsräume der Fakultät für Philosophie und Literatur sowie die Treppe am Ende des Gebäudes. Sie wurden von freiwilligen Dozenten unterrichtet.
Im Februar dieses Jahres erklärte sich der Rektor bereit, die Preparatoria Popular als inkorporierte Schule zu behandeln, die später in leer stehenden Gebäuden der UNAM untergebracht wurde, wie zum Beispiel in den Räumen der ehemaligen Schule für Handel und Verwaltung im Stadtzentrum und der Schule für Chemiewissenschaften im Stadtteil Tacuba, an denen die Lehrveranstaltungen für des ersten Jahres dieser Studiengänge abgehalten wurden, bevor diese Schulen ganz auf den Hauptcampus umzogen.
Am 22. Juli kam es auf dem Platz Ciudadela zu Auseinandersetzungen zwischen Schülern der Vocacional 2 (Schule der Sekundarstufe II des Nationalen Polytechnischen Instituts) und der Privatschule der Sekundarstufe II Isaac Ochoterena. Als Vergeltungsmaβnahme bewarfen Schüler der Nationalen Voruniversitären Schule am nächsten Tag die Vocacional mit Steinen.
Am 26. Juli stieß eine Studentendemonstration zum Jahrestag der Kubanischen Revolution auf eine vom Verband der Studenten des Nationalen Polytechnischen Instituts (FNET) organisierte Demonstration, die gegen den Polizeieinsatz während der Auseinandersetzungen zwischen Schülern der Sekundarstufe II des Nationalen Polytechnischen Instituts (IPN) und der UNAM protestierten. Die Demonstration wurde von der Polizei gewaltsam aufgelöst.
In den folgenden Tagen kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Studenten. Am 29. Juli umringten Polizei und Militär Einrichtungen der Nationalen Voruniversitären Schule und des Nationalen Polytechnischen Instituts (IPN), vor allem im Stadtzentrum. Durch einen Schuss aus einer Bazooka wurde in der Nationalen Voruniversitären Schule Nr. 1 eine Tür aus der Kolonialzeit zerstört.
Die Schulen Nr. 1, 2, 3, 4 und 5 der Nationalen Voruniversitären Schule wurden von den Sicherheitskräften besetzt, später wurden die Schulen 1, 2 und 3 wieder der UNAM übergeben. Als Zeichen der Trauer lieβ Rektor Barros Sierra am 30. Juli die Nationalflagge auf dem Hauptcampus auf Halbmast setzen und Radio UNAM stellte vorzeitig seine Sendung ein. Die Polizei zog sich aus den Einrichtungen der Nationalen Voruniversitären Schule Nr. 5 zurück.
Am 1. August führte der Rektor eine Demonstration an, die vom Hauptcampus über die Avenida Insurgentes bis Félix Cuevas und durch diese Straße bis zur Avenida Coyoacán verlief und von dort über die Avenida Universidad zum Ausgangspunkt zurückführte, wo sie mit einer Kundgebung des Rektors Barros Sierra endete.
Staatspräsident Díaz Ordaz bot während einer Rede in Guadalajara an, denen die Hand zu reichen, die auf ihn zukämen.
Am folgenden Tag wurde der Nationale Streikrat (CNH) gegründet. Am 5. August fand eine große Studentendemonstration vom Campus Zacatenco des Nationalen Polytechnischen Instituts (IPN) bis zum Gebäude Casco de Santo Tomás des IPN statt. Die UNAM meldete, dass alle Schulen und Fakultäten, mit Ausnahme der Fakultät für Politikwissenschaften, die Arbeit wieder aufgenommen hätten.
Am 13. August fand erstmals eine Studentendemonstration am Hauptplatz von Mexiko-Stadt, dem Zócalo, statt, die vom Anthropologischen Museum gestartet war. Die Studentenbewegung stellte sechs große Forderungen, darunter den Rücktritt des Polizeichefs General Cueto Ramírez und seines Vertreters Oberst Mendiolea Cerecero, auβerdem die Abschaffung des Paragraphen 145 und 145 bis des Strafgesetzbuches, der den Straftatbestand der Störung der öffentlichen Ordnung regelte.
Der Universitätsrat stellte acht Forderungen, die im Allgemeinen mit denen der Studierenden übereinstimmten. Studierende des Nationalen Konservatoriums und der Schule für Lehrerausbildung schlossen sich der Studentenbewegung an. Der Nationale Streikrat (CNH) erklärte, dass der Verband der Studenten des Nationalen Polytechnischen Instituts (FNET) die Studentenschaft nicht repräsentiere. Am 22. August erklärte die Regierung ihre Bereitschaft, mit den Studentenvertretern zu verhandeln.
Hochschullehrer und Studierende reagierten zustimmend, unter der Voraussetzung, dass Presse, Radio und Fernsehen bei den Verhandlungen anwesend seien.
Am 27. August setzte sich eine Demonstration vom Anthropologischen Museum in Richtung Zócalo in Bewegung, bei der die Studenten auf dem Platz verweilten und eine rot-schwarze Fahne, die den Streik symbolisierte, auf Halbmast hissten. Die Fahne wurde später eingeholt. In den frühen Morgenstunden wurden die auf dem Platz noch verweilenden Studenten von den Sicherheitskräften vertrieben.
Am nächsten Tag fand ein Akt zur Wiedergutmachung der Missachtung der Nationalflagge am Vortag statt, an dem Staatsbedienstete teilnahmen. Es kam erneut zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Militäreinheiten postierten sich in der Nähe des Hauptcampus und des IPN-Campus Zacatenco. Am 1. September drohte der Präsident damit, der Studentenbewegung Einhalt zu gebieten.
Am 7. September fand eine Kundgebung im Stadtteil Tlatelolco statt. Zwei Tage später forderte der Rektor der UNAM die Universitätsgemeinschaft auf, zur Normalität zurückzukehren, ohne die Ziele aus den Augen zu verlieren. Die Meinungen über den Aufruf des Rektors gingen auseinander. Am 13. September fand ein Schweigemarsch auf dem Paseo de la Reformaim Stadtzentrumstatt.
Verschiedene Gruppen aus der Bevölkerung schlossen sich an. Am 18. September besetzte das Militär den Hauptcampus. Es kam zu Festnahmen. Die Forschungs- und Verwaltungsarbeit wurde jedoch fortgesetzt, ebenso wie ein Teil der Kulturarbeit. Nur die Lehrveranstaltungen wurden ausgesetzt.
Am 19. September protestierte der Rektor gegen die Militärbesetzung, die 12 Tage andauerte. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Luis Farías, griff Rektor Barros Sierra an, der sein Rücktrittsgesuch einreichte, das jedoch abgelehnt wurde. Der Verwaltungsrat bat ihn ausdrücklich darum, die Universität weiterhin zu leiten.
Am 1. Oktober wurde die Forschungs- und Verwaltungsarbeit wieder aufgenommen, und zum Teil auch die Kulturarbeit. Der Nationale Streikrat (CNH) entschied, den Streik fortzusetzen. Am nächsten Tag, am 2. Oktober, fand erneut eine Kundgebung auf dem Platz der Drei Kulturen im Stadtteil Tlatelolco statt.
Nach einem Leuchtsignal wurde Feuer auf das Wohnhochhaus Chihuahua eröffnet, dem mutmaβlichen Aufenthaltsort des Streikrates. Gleichzeitig wurde in die Menge geschossen. Es gab viele Tote und Verletzte und zahlreiche Festnahmen. Tage später gab der Streikrat bekannt, dass die Bewegung trotz der Repression fortgesetzt werde. Viele der führenden Mitglieder des Streikrates waren festgenommen worden.
Am 12. Oktober wurden die XIX. Olympischen Spiele im Stadion der Universität eröffnet. Der Zeitraum der Olympischen Spiele wurde zur vorlesungsfreien Zeit erklärt. Nach Beendigung der Olympischen Spiele normalisierte sich das Universitätsleben wieder. Die Anzahl der inhaftierten Studenten und Dozenten war jedoch beachtlich.
Der Studentenstreik endete offiziell am 4. Dezember. In der Sitzung am 20. Dezember lehnte der Rektor ein Vertrauensvotum des Universitätsrates ab. Neue Studienpläne für das Master- und Promotionsstudium in Biologie, Mathematik, Physik und Geologie sowie für den Masterstudiengang in Geophysik wurden beschlossen.
Auβerdem wurden die Pläne für die Studiengänge Malerei, Bildhauerei und Gravur beschlossen, ebenso wie für die Spezialisierungskurse in Straβenbau und Sanitätstechnik, den Masterstudiengang Ingenieurwissenschaften mit der Spezialisierung auf Steuerung und Leistung, das Master- und Promotionsstudium in Mathematischer Operationsforschung, das Masterstudium in Physikalischer Ingenieurwissenschaft für Bodenschätze und für die Spezialisierungskurse in Planung und Bau von Be- und Entwässerungsanlagen.
Im Dezember wurde auch noch einem Bericht mit Forderungen zugestimmt, den die Universität infolge der Studentenbewegung vorlegte.
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